770 Sprüche — Seite 11
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Wie die süßeste Frucht zuweilen eine raue Schale hat, so verbirgt sich oft eine freundliche und herzliche Natur unter einem rauen Äußeren.
— Samuel Smiles
Die Unglücksfälle in der Welt sind zahlreicher als die Pfanzen der Erde.
Wer regiert muss hören und nicht hören.
Die Natur schafft immer von dem, was möglich ist, das Beste .
— Jean Paul
Das Tröpflein wird das Meer, wenn es ins Meer gekommen, die Seele Gott, wenn sie in Gott aufgenommen.
— Angelus Silesius
Die Liebe ist das einzige in der Natur, wo auch die Einbildungskraft selbst keinen Grund findet und keine Grenze sieht.
— Friedrich von Schiller
Kommt St. Georg auf dem Schimmel, kommt ein gutes Jahr vom Himmel. (23. April)
Wer die Natur nicht durch die Liebe kennenlernt, der wird sie nie kennenlernen.
— Friedrich von Schlegel
In der gesamten Schöpfung sind geheime Heilkräfte verborgen, die kein Mensch wissen kann, wenn sie ihm nicht von Gott offenbart werden.
— Hildegard von Bingen
Auch das kleinste Katzentier ist ein Meisterwerk
— Leonardo da Vinci
Die Rose stand im Tau, es waren Perlen grau, als Sonne sie beschienen, wurden sie zu Rubinen.
— Friedrich Rückert
Die Wahrheit und Einfachheit der Natur sind immer die letzten Grundlagen einer bedeutenden Kunst
— Carl Friedrich Paul Ernst
Glückselig also ist ein Leben, welches mit seiner Natur im Einklang steht.
— Seneca
Raucht die Kuh wie ein Kamin, ist Kurzschluss in der Melkmaschin!
Was auch das Meer verschlang, die Zeit verschlang das Weh, ewig bleibt die See.
— Gorch Fock
Wenn es donnert an Kunigund, bleibt das Wetter lange bunt. (03. März)
Der Mensch - ein Exempel der beispiellosen Geduld der Natur.
— Christian Morgenstern
Natur wiederholt ewig in weiterer Ausdehnung denselben Gedanken. Darum ist der Tropfen ein Bild des Meeres.
— Christian Friedrich Hebbel
Wenn's an Karolus stürmt und schneit, dann lege deinen Pelz bereit. (04. Nov.)
Willst den Nachbarn glücklich seh'n, darfst nicht in die Sonn' ihm steh'n.