Sprüche über Natur
1369 Sprüche — Seite 33
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Sonne hat sich müd' gelaufen, spricht: »Nun lass ich's sein!« Geht zu Bett und schließt die Augen und schläft ruhig ein.
— Robert Reinick
Jede sprossende Pflanze, die mit Düften sich füllt, trägt im Kelche das ganze Weltgeheimnis verhüllt.
— Franz Emanuel August Geibel
Seine Hühner legen Eier mit zwei Dottern.
Alte Krähen sind schwer zu fangen.
Die kleinen Krebse und Fische sind die besten, wenn man große nicht haben kann.
Das Huhn ist schlau und stellt sich dumm; beim Hahn, da ist es andersrum
An Mariä Namen kommen die Schwalben zusammen.
Wer freit Nachbars Kind, der weiss, was er find.
Wie hoch auch ein Vogel fliegen mag, seine Nahrung sucht er auf der Erde.
Der heilige Leopold ist dem Altweibersommer hold. (15. Nov.)
Einen Regenbogen, der eine Viertelstunde steht, sieht man nicht mehr.
— Johann Wolfgang von Goethe
Große Kälte am Antoniustag, manchmal nicht lange halten mag. (17. Jan.)
Geht die Sonne auf im Westen, lässt der Bauer seinen Kompass testen.
Die Größe und unendliche Weisheit des Schöpfers wird nur derjenige wirklich erkennen, der sich bestrebt, aus dem gewaltigen Buche, das wir Natur nennen, seine Gedanken herauszulesen
— Justus Freiherr von Liebig
Sieh das Lindenblatt, du wirst es wie ein Herz gestaltet finden. Drum sitzen die Verliebten am liebsten unter Linden.
— Christian Johann Heinrich Heine
Die Gesetze der Natur sind wunderbar, aber ihr Räderwerk zermalmt viele Insekten wie die Regierungen viele Menschen.
— Antoine de Rivarol
Kein Fluss kann seine Quelle überstiegen - kein Volk besser sein als seine Frauen
Glüh'n Johanniswürmchen helle, schöner Juni ist zur Stelle. (24. Juni)
Sobald ein frisches Kelchlein blüht, es fordert neue Lieder; und wenn die Zeit verrauschend flieht, Jahrszeiten kommen wieder.
— Johann Wolfgang von Goethe
Die Naturgesetze lehren uns, was möglich ist, aber nicht, was richtig ist