770 Sprüche — Seite 64
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Barnabas macht, wenn er günstig ist, wieder gut, was verdorben ist. (11. Juni)
Wenn Barnabas bringt Regen, so gibt es auch viel Traubensegen. (11. Juni)
Ist's am Fortunatstag klar, so verheißt's ein gutes Jahr. (12. Juni)
Heiliger Veit, regne nicht, dass es uns nicht an Gerst' gebricht. (15. Juni)
Nach St. Vitus ändert sich die Zeit, alles geht auf die andere Seit'. (15. Juni)
Vor Nachtfrost sicher bist du nicht, bevor Sophie vorüber ist. (15. Mai)
Trockener Mai bringt Dürre herbei.
Wenn der Holunder blüht, sind die Bienen müd'.
Im Mai viel Wind, begehrt des Bauern Gesind'.
Ist es klar an Petronell, misst den Flachs ihr mit der Ell'. (31. Mai)
Will der Mai ein Gärtner sein, trägt er nicht in Scheunen ein.
Perpetua und Felizitas, die bringen uns das erste Gras. (07. März)
Friert es am 40-Ritter-Tag, so kommen noch vierzig Fröste nach. (10. März)
An Vierzigritter kalter Wind, noch vierzig Tage windig sind. (10. März)
Regen, den die 40 Märtyrer senden, wird erst nach 40 Tagen enden. (10. März)
Gregori zeigt dem Bauern an, ob im Feld er säen kann. (12. März)
Wenn Gregori fällt, heißt es die Saat bestellt. (12. März)
Lukretia feucht, bleiben die Kornsäcke leicht. (15. März)
Sieht St. Gertrud Eis, wird das ganze Jahr nicht heiß. (17. März)
St. Gertrud sonnig, wird es dem Gärtner wonnig. (17. März)